Meine Erfahrung mit Depression und Suizid Gedanken

18. Nov 2019

Meine Erfahrung mit Depression und Suizid Gedanken

Hier berichte ich von einem abgeschlossenen Kapitel meiner Vergangenheit. Die Themen Depression und Suizid Gedanken sind geprägt von falschen Vorurteilen, daher fühlen sich Betroffene oft allein und missverstanden.

Wenn dich der falsche Weg in eine Sackgasse geführt hat

Meine Zeit der Dunkelheit liegt nun schon einige Jahre hinter mir. Doch ich erinnere mich noch gut daran, was sie geprägt hat.

Ich teile hier nun meine Erfahrung, meine Sicht der Dinge, was für mich funktioniert hat. Es sind keine allgemein gültigen Wahrheiten. Das Erleben von Depression ist genauso individuell wie ihre Ursachen. Es ist ratsam und völlig in Ordnung sich professionelle Unterstützung zu erlauben und zu holen.

Das menschliche Wesen ist ein emotionales, es sehnt sich nach Liebe und braucht diese wie Nahrung und Luft zum atmen. Gerade in der Kindheit brauchen wir bedingungslos Unterstützung, Aufmerksamkeit und Verständnis für unserer authentisches Sein. Wir befinden uns in der stärksten Wachstumsphase unseres Lebens. Wir sammeln die Grundsteine, aus denen wir unseren Werdegang erbauen. Deswegen ist eine Basis aus Vertrauen und Liebe von unserem Umfeld so wichtig.

Doch kaum einer von uns bleibt verschont von traumatischen Erlebnissen. Zu einem gewissen Grad ist das normal, denn auch unsere Eltern sind nur Menschen. Doch manche Seelen suchen sich ein besonders herausforderndes Umfeld aus.
So war es auch bei mir. Ich erlebte meine Eltern nie bewusst als Paar, meinen Vater lerne ich erst jetzt im Erwachsenenalter richtig kennen.
Von meiner Mutter erbte ich ein Unmaß an Angst und soziale Inkompetenz, das Denken wir seien nunmal anders und keiner versteht uns.

In das Fehlverhalten meiner "Vertrauenspersonen" will ich gar nicht groß eintauchen, denn auch wenn das für sich Erkennen dieser Tatsachen Teil der Selbstbefreiung sind, bieten sie nicht den Schlüssel zur Lösung deiner Themen.

Der Schlüssel zur Lösung war für mich das Fühlen. Ich erlebte meine Depression als einen Tank voll mit dem Gefühl von Einsamkeit, seelischem Hunger, Schmerz und Schuld - so überwältigend dass letztlich nur eine Taubheit und erdrückende Schwere in meinem Bewusstsein verblieb.
Haben wir das Gefühl allein zu sein, weil wir sind wer wir sind, beginnen wir vor uns und unseren Gefühlen zu flüchten. Wir entfernen uns immer weiter, bis uns nur noch eine Leere bleibt und der schwere Rucksack unseres Unterbewusstsein, in den wir alles hineingesteckt haben, von dem wir glauben dass es uns die Liebe anderer verwehrt. Doch laufen wir vor uns selbst weg, enden wir in einer Sackgasse, denn auch wenn sich unsere Persönlichkeitsaspekte in unserem Unterbewusstsein verkapseln lassen, bleiben sie doch immer ein Teil von uns. Und jeder Teil von uns darf da sein und Liebe erfahren.

Für Menschen die eine solch transformative Phase noch nicht erlebt haben oder den Bezug zu dieser Erfahrung verdrängt haben, können kaum nachvollziehen was man erlebt. Sie geben einem gut gemeinte Ratschläge, die die eigene Realität gänzlich verfehlen oder sie nennen einen Simulant und man solle sich doch nicht so anstellen. 
Spätestens wenn man blicken lässt dass man Suizid Gedanken hat, brennen bei den meisten die Sicherungen durch. Der Tod ist schon ein Tabuthema in dieser Gesellschaft. Dass man in ihm die Hoffnung auf Erlösung sieht, erst recht.

Dabei ist dieses Gefühl nach meiner Erfahrung völlig verständlich. Man ist über Jahre mit der Absicht deine Mitmenschen zufrieden zu machen eine Straße endlang gestrebt, nur um sich nun in einer Sackgasse wieder zu finden. Man ist erschöpft, hat den Bezug zu sich verloren. Wo soll man jetzt noch hin? Alles was man bis jetzt gesehen hat gibt kaum einen Grund zu bleiben.

Mein persönlicher Kompass

Ich habe mich damals permanent gefragt, wozu ich lebe. Spaß, Freude am Leben hatte ich schon lange nicht mehr. 
Doch diese Frage beantwortete sich beharrlich mit dem Gefühl, dass ich lebe um etwas zu bewirken, das größer ist als ich selbst. Etwas von dem viele Menschen etwas haben werden.
Neugierde wurde wach und ich konnte meine Situation plötzlich als freier Beobachter betrachten und ganz anders annehmen. Neugierde war seit Monaten, wenn nicht Jahren ein Gefühl was Lebensfreude am nächsten kam und es gab mir Energie. Auch wenn mich der Gedanke jederzeit gehen zu können noch einige Zeit begleitet hat, hatte ich nun wieder einen Antrieb zu leben.

Meine Neugierde die Frage "Wofür bin ich hier? Was kann ich in dieser Welt für andere bewegen?" hat mich Stück für Stück zurück zu mir selbst geführt. 

Die Fragen, die wir dem Leben stellen führen uns unseres Weges.

Suchen wir nach der Liebe bei Menschen, die sich selbst nicht lieben können, enden wir in einer Sackgasse.
Alles was wir brauchen ist bereits in uns, das kann uns keiner nehmen. Suchen wir da nach all den Möglichkeiten, die wir entfalten können, werden wir entsprechende Antworten finden. 

Achte darauf was du dem Leben für Fragen stellst. Ich erinnere mich noch gut, dass ich mich oft fragte: "Wieso bin ich so dumm?" "Womit habe ich das verdient?" "Warum bin ich bloß so fett und hässlich?" "Warum hassen mich alle?"
Als ich, wieder aus Neugierde, begann diese Fragen auszutauschen, wann immer ich bei einer ertappte, veränderte sich mein Gefühl zum Leben und mir selbst deutlich.
Ich begann mich zu fragen: "Was kann ich tun?" "Was hab ich davon?" "Was kann ich daraus machen?" "Wie kann ich das schaffen?" "Wer kann mir helfen?" usw.

Du hältst dein Leben in deinen Händen, immer. 

Der Gedanke sich das Leben zu nehmen, gibt einem auch das Gefühl es in den eigenen Händen zu halten, Kontrolle darüber zu haben.

Kein Wunder, dass man das Gefühl hat die Kontrolle über das eigene Leben verloren zu haben, wenn man es schon lange nach äußeren Erwartungen lebt. 
Doch du hältst dein Leben in den eigenen Händen, immer. Es sind deine Entscheidungen die deinen Weg pflastern und der freie Wille ist dein Geburtsrecht.
Als mir klar bewusst wurde dass ich weniger Angst vor dem Tod hatte als die scheinbaren Erwartungen anderer zu enttäuschen, fragte ich mich "Ist es denn wirklich so verrückt einfach zu sein wer ich bin und zu tun was ich wirklich möchte?"

Nun fiel mein Weg aus der Depression genau passend in meine Teenager-Zeit, in die Zeit der Selbstfindung und des Erwachsenwerdens. Doch völlig egal in welchem Alter man diese Transformationsphase erlebt, sie bietet immer eine Emanzipation von den mitgenommenen Erziehungsmustern und eine Befreiung hinein ins eigene Sein.

Bei aller Schwere die dieses Thema mit sich bringt, ich bin überzeugt dass dieser Prozess einer Metamorphose gleicht. Was man im Englischen auch "Dark night of the soul" nennt, ist ein Wandlungsprozess, eine Wiedergeburt. Es schenkte mir ein tiefes Bewusstsein für mich selbst, mein Leben und ich bin Dankbar.

Dieser Bericht hat etwas in dir berührt, über das du sprechen möchtest?

Du darfst dich herzlich gern jeder Zeit bei mir melden und wir sprechen darüber. Vielleicht kann ich dir etwas mit auf den Weg geben. 

Herzliche Grüße
Fillandra Kali Shiva


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