Mobbing und die bösen Anderen

26. Nov 2020Fillandra Kali Shiva 
Mobbing und die bösen Anderen

 "Kinder können so grausam sein", sagten sie zu mir

Bitte bedenke, dass dieser Bericht auf meinen Erfahrungen basiert und nicht als Maßstab für alle Situationen genutzt werden kann.

Ich erinnere mich noch lebhaft an meine Schulzeit.

Schon im Kindergarten hatte ich Schwierigkeiten Anschluss zu finden, so dass sich zur Schulzeit das Misstrauen den anderen Kindern gegenüber richtig breit gemacht hatte. Das wiederum brachte seine Folgen mit sich.

Aus heutiger Sicht verstehe ich, dass ich die anderen Kinder genauso sonderbar fand wie sie mich.
Ich wuchs bei meiner Mutter in unserer eigenen kleinen Welt auf. Im Umgang mit Menschen konnte sie mir kein Vorbild sein.
Diese Unsicherheit spürten meine Mitschüler, doch sie waren eben nicht so still und schüchtern wie ich.
So verstand ich plumpe Fragen und ihr Grenzenaustesten völlig falsch und die Geschichte nahm ihren Lauf.

Bekommt man von zu Hause aus nicht das Selbstvertrauen mit, sich zu behaupten und eine eigene Meinung zu vertreten, können Neckereien schnell ausufern. 

„Kinder können so grausam sein.“, sagten die Erwachsenen gern zu mir. Ich solle mir nichts daraus machen.
„Die sind bloß neidisch.“, versuchten sie mich zu trösten.

Machen wir aus den Mobbern „böse Kinder“, versteht sich das gemobbte Kind als Opfer


Heute weiß ich, dass es einfach Kommunikations- und Verständnisschwierigkeiten zwischen Kindern gibt.
Sie haben noch nicht die Erfahrung mit Gefühlen und den Folgen die Gesagtes und Getanes im Gegenüber auslösen kann.
Bzw. wie sie Gehörtes und Erlebtes verarbeiten können um.
Dazu kommt, dass selbst Jugendliche noch in einer sehr absoluten Welt leben. Sie erleben und fühlen noch viel tiefer als die meisten Erwachsenen.
Ihnen fehlt ein Mentor, der ihnen hilft die eigenen Eindrücke und das Verhalten der anderen Kinder einzuordnen und zu verstehen.

Es ist vollkommen sinnlos Kindern ihr Verhalten schlicht zu verbieten.


Kein Kind überwindet und löst Ängste, in dem man ihm Dinge sagt wie: „Stell dich nicht so an, das is alles halb so wild.“
Es lernt lediglich seine Angst zu verstecken, weil es sich nicht mehr sicher fühlt sie mitzueilen.

Kindern zu sagen „Hör auf zu xy gemeine Sachen zu sagen.“ oder „Schlagen ist böse.“, lässt sie nicht verstehen, wie xy sich fühlt wenn es beschimpft wird. Sie lernen nicht, wie man Konflikte gewaltfrei löst und wann man sich aber verteidigen darf, um sich auch im späteren Alter in gefährlichen Situationen retten zu können.

Kinder, die andere mobben sollen böse Kinder sein?

Kein Mensch wird böse geboren.
Mobber haben genau so wenig Gefühl für ihren Wert, wie die Seite, die es abbekommt.

• Vielleicht haben sie Angst.
• Oft fühlen sie sich ungesehen.
• Es könnte Stress im Elternhaus, bzw. das Verhalten der Eltern sein.
• Sie dürfen noch lernen Mitgefühl zu geben und zu empfangen.
etc.

Die einen werden laut, die anderen leise.

Es ist nie zu spät das Kind an die Hand zu nehmen und ihm zu zeigen, dass es wertvoll ist wie es ist.
Dass es weder die „Opfer-“ noch die „Täterrolle“ braucht um gesehen zu werden.

Das dicke Fell

Was ich auch höre, ist dass sich Erwachsene denken wie: „Die regeln das unter sich. Das Kleine braucht das dicke Fell, was es davon bekommen wird.“

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Ja man kann aus so einer Zeit gestärkt hervor gehen.

ABER:

Es gab eine Zeit, wo es mich fast nicht mehr gegeben hätte.

Das gemobbte Kind braucht niemanden, der mit in die Schule kommt und einen Aufstand macht, denn davor hat es vermutlich große Angst.
Genauso wenig hilft es dem Kind aber wenn man es mit Sprüchen abspeist wie "Die sind bloß neidisch.", anstatt mit ihm die Hintergründe zu analysieren und ihm zu zeigen wie es mit seinen Gefühlen umgehen kann.

Hat das Kind Ängste, die es daran hindern Kontakt zu seinen Mitmenschen aufzubauen, wachsen diese bloß mit jedem unschönen Erlebnis.
Aus sich wiederholenden Erlebnissen entstehen Glaubensmuster.

"Ich bin allein, keiner hilft mir."
"Keiner versteht mich."
"Ich störe. / Ich bin ungewollt."
"Ich muss anders sein als ich bin, um gemocht zu werden."

Es ist völlig vermessen Kinder mit solchen Gedanken allein zu lassen und anzunehmen dass es sich von selbst löst.
Ja das Kind darf seine Erkenntnisse selbst gewinnen, denn so lernen sie. Doch es ist die Aufgabe der Aufsichtspersonen das Kind zu diesen Erkenntnissen zu begleiten. 

Lernen Kinder wie sie ihre Sicht und Empfindung wandeln und verarbeiten und wie sie ihren Fokus auf das lenken was sie sich wünschen, werden sie im Erwachsenenalter ganz anders da stehen, als wenn sie ihren Selbstwert und ihren Willen erstmal unter der Schicht der erlebten Dinge erstmal ausgraben müssen.

Was das Kind braucht, ist jemanden der ...

... ihm seine Liebe zeigt, ohne dabei Forderungen zu stellen.

… ihm zeigt was es wert ist.

… ihm zeigt dass es an sich glauben darf.

… ihm beibringt wie es würdevoll Grenzen setzt.

… es verstehen lässt wie es seine Gefühle verarbeitet.

... ihm zeigt, was wirklich die eigene Verantwortung ist und was die von anderen.

… ihm zuhört und es annimmt wie es ist.

… ihm zeigt wie man Anschluss findet und sich selbst treu bleibt.

… ihm Mut macht.


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